Das Literaturarchiv NÖ, die Dokumentationsstelle für Literatur in Niederösterreich wurde im Jahr 1989 gegründet. Ziel ist es, die niederösterreichische Literaturlandschaft sowohl in ihren historischen Dimensionen als auch unter zeitgenössischen Aspekten zu dokumentieren und für wissenschaftliche Aufarbeitung zugänglich zu machen. Die ursprünglichen Sammlungsgebiete - Primärliteratur, Sekundärliteratur, umfangreiche bio/bibliografische Daten zu den Autoren, Fotosammlung, audio-visuelle Dokumente - wurden in den letzten Jahren durch den Bereich der literarischen Vor- bzw. Nachlässe kontinuierlich erweitert.

Der erste wichtige Ankauf war der Teilnachlass des bedeutenden anglo-amerikanischen Schriftstellers W.H.Auden, der die letzten 15 Lebensjahre in seinem Haus in Kirchstetten (bei St. Pölten) verbrachte. In Zusammenhang mit diesem Erwerb wurde nach seinem Tod in seinem Haus eine Gedenkstätte eingerichtet, die den Originalzustand seines Arbeitszimmers zeigt sowie eine Ausstellung zum Schriftsteller. Daneben erhielt die Dokumentationsstelle einen bedeutenden Zuwachs durch den Ankauf der Teilnachlässe von Karl Farkas und Carl Merz.

Schenkungen niederösterreichischer Autoren haben in der Folge den Bestand erweitert, so besitzt die Dokumentationsstelle den literarischen Gesamtnachlass des NÖ Arbeiterdichters Walter Sachs (Traisental), vom Weinviertler Lyriker Emmerich Lang und dem ebenfalls aus dem Weinviertel stammenden A.Th. Dietmayer. Daneben gibt es noch Splitternachlässe, einzelne Dokumente, Autografen etc.

Angekauft wurden Teilvorlässe von Annemarie Moser (Wr. Neustadt), Andreas Weber (Langenlois) und Georg Bydlinski (Mödling), Bruno Weinhals (Stockerau) sowie 2015 Matthias Mander (Seyring).

Die Bestände werden in der NÖ Landesbibliothek verwahrt und schrittweise geordnet und elektronisch erfasst, um sie der wissenschaftlichen Einsicht und für Ausstellungen zugänglich machen zu können. Parallel dazu wurde im Jahr 2014 eine Publikationsreihe zu den einzelnen Nach- bzw. Vorlässen gestartet, die sowohl den Bestand nachvollziehbar macht, aber auch einzelne literaturwissenschaftliche Aspekte in den Vordergrund der wissenschaftlichen Bearbeitung stellt, etwa Textgenese, literaturhistorischer Kontext etc.