Warteschleife

von Alfred Komarek und Christian Rausch

Essay
Mit Kreidezeichnungen von Christian Rausch
96 Seiten, gebunden, 23 x 30 cm Querformat, € 20,00

ISBN-10: 3-901117-74-1; ISBN-13: 978-3-901117-74-9

Ein Museumsdepot ist der eigentliche Schauplatz dieses Buches. Ein Schriftsteller und ein Maler nähern sich - jeder mit seinem künstlerischen Ausdrucksmittel - diesem Raum, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Während die Zeichnungen bruchstückhafte Momentaufnahmen auf Bewahrtes, Vergessenes sind und in ihrer Farbgebung eine Stimmung der Zeitlosigkeit und Morbidität hervorrufen, die den Betrachter gänzlich gefangen nimmt, geht der Schriftsteller einen Schritt weiter. Komarek abstrahiert das Thema und macht es zu einem allgemeingültigen, zu einem menschlichen Thema.

Textprobe
Züge, die in der Zeit versickern, Lokführer, die ihrer Führerschaft entsagen, entgleisen, ohne die Schienen zu verlassen. Piloten, die Warteschleifen fliegen, begeben sich abseits der Route in eine Zwischenwelt, weil der Weg und das Ziel noch nicht frei für einander sind. Das eilfertige und rationale Wesen einer Luftreise ist vorübergehend für bedeutungslos erklärt. Die Passagiere sind nicht mehr zu ihrem Bestimmungsort unterwegs, nicht einmal irgendwo hin unterwegs. Aus der Flugbahn und aus dem Zeitplan geworfen, sind die der Willkür des Umweges ausgeliefert. Noch vor wenigen Minuten wurde das Flugzeug von Menschen dafür genutzt, ein gemeinsames Ziel unter wohl differenzierten Aspekten zu erreichen: Geschäfte, Gespräche, Liebesdinge, Neugier, finstere Machenschaften, was immer. In der Warteschleife zählt weder Dringlichkeit noch Gewicht.