Zimmerfluchtenvon Gabriele Petricek

Prosa
120 Seiten, geb. mit Schutzumschlag, 20 x 13 cm, € 19,00

ISBN 3-901117-76-8

Auf einem Stapel alter Zeitschriften ein Abspielgerät. Ein Zimmer, fast leer, und voll mit Büchern. Klein. Und kalt. In der Nische unterhalb des Fensters ein knappes rotes Leuchten. Die Kontrolllampe des Abspielgeräts. Den Fensterscheiben eine Eisschicht aufgefirnt. Von schwächlicher Jännersonne zum Funkeln gereizt, treiben die Eisblumen Kristallblüten in Spektralfarben, deren unwirkliche Schönheit der Mann im Bett negieren möchte. Er dreht den Kopf zur Wand. Sein Gesicht hat einen weißen, mit dunklen Haaren durchsetzten Vollbart, der die Lippen verdeckt. Sein Atem schiebt sich zwischen den borstigen Haaren hervor, schreibt Schwaden in die Zimmerkälte und rasselt wie eine Ankerkette beim Hochziehen. Hannibal Norden regt sich. Unter dem Rand der üppigen Daunendecke kommen knotige Finger zum Vorschein, die über den Holzboden streifen, etwas ergreifen, sich damit in den Tuchentbau zurückziehen. In einem Schwall von Ergriffenheit drückt Norden das Tastenkästchen an die Brust. Dennoch wartet er. Befürchtet das Doppelhören. Sein plötzlich wiedergekehrtes verzweigtes Hören. Als könne ein Ton, nachdem er gefallen, sich nicht entschließen, höher oder tiefer zu lauten. Diese Töne eines ganz gewissen Musikstückes, die sich in ihrem durch lange Pausen voneinander getrennten Klang unmittelbar in zwei Fremdtöne verästeln und nachklingen in die nächste Pause.