Distanzenvon Sylvia Unterrader

Prosa
150 Seiten, steifer Einband mit Schutzumschlag, 13,5 x 21 cm; € 17,90

ISBN-10: 3-901117-86-5; ISBN-13: 978-3-901117-86-2

Sie gehört zweifellos zu den interessantesten Erscheinungen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Nicht nur die Vielfalt ihrer thematischen Ansätze, die Leichtigkeit, mit welcher sie anscheinend zwischen der Genres wechselt, sondern auch und vor allem ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Präzision machen sie zu einer Schriftstellerin, die ihre Leser immer wieder auf neue Abenteuer mitnimmt.
Der vorliegende Prosaband „distanzen" erhält seine Spannung und Lebendigkeit vor allem durch einen gekonnt und stimmigen Wechsel der Perspektiven und Zeitensprünge, mit denen sie die Protagonisten begleitet. In einem Wechsel von Früher, Einst und Jetzt zeichnet sie meisterhaft die Erwartungen, Wünsche, Konflikte und Entwicklungen der Menschen nach.

Textprobe
JETZT
immerhin habe ich einen stadtplan, doch lasse ich mich treiben. so bricht sie auf, um die stimmung zu erkunden. während sie durch die straßen geht, sieht sie die menschen an, die hastig an ihr vorbei rennen. manchmal stößt sie jemand, der sich, schon längst vorbei, entschuldigt, wie auch sie es tut, ein andermal wird sie mitgetrieben, kann sich nicht sofort befreien aus einer menschenansammlung, doch nirgends gibt es stillstand, nicht um diese tageszeit, vermutet sie solange, bis sie in eine der ruhigeren seitengassen einbiegt. beschaulichkeit suche ich nicht, denkt sie, sondern diese frau. nicht diese, eine andere frau fragt sie etwas, das sie nicht sogleich versteht. nicht so sehr vertrauen erweckend, vermutet sie, als sie in das fremde gesicht blickt, ich habe vorurteile, wirft sie sich vor, und das in einer mir unbekannten stadt. sie bittet die frau, langsamer zu sprechen, doch diese schüttelt den kopf und verschwindet um eine straßenecke.